Weinprobe
Bulgarien: Vesselins Lieblingswein
11. September 2005, 17:15 Uhr, arte
14. September 2005, 17:15 Uhr, arte
Autor: Jean Boué
Kamera: Uli Fischer
In dieser arte-Serie "Weinprobe / Vins á la carte" geht es um große und weniger große, um bekannte und weniger bekannte Winzer, Weine und Weinlandschaften in Deutschland, Frankreich und den anderem Weinbaunationen Europas: Kultur und Leben rund um die Rebe.
Nirgendwo gibt es mehr Weinspezialisten als in Bulgarien. Das behaupten jedenfalls die Bulgaren, die alle irgendwo ihr eigenes Rebfeld haben, am Haus, im Hof oder auf dem Acker nebenan. Für die Weinhersteller ist der Markt daher sehr begrenzt, nur ein Drittel der Bevölkerung kauft Wein im Laden. Trotzdem ist Weinwirtschaft in Bulgarien ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, denn der Export ist relativ hoch. Dies vor allem, weil die bulgarischen Weine bei durchaus vernünftiger Qualität, preislich meist deutlich unter dem Niveau der großen Weinländer liegen. Vor allem englische Discounter lassen ihre Hausmarken hier abfüllen. In Riesenmengen wird mit Technik aus der neuen Welt Wein produziert, der so billig ist, dass er Australiern und Chilenen leicht Paroli bieten kann.
In einer der ehemaligen sozialistischen Weinfabriken hingegen werden heute die teuersten Weine des Landes hergestellt. Von einem Verleger, der vor allem heimische Trauben für den bulgarischen Markt abfüllt. Direkt an der griechischen Grenze wachsen seine Reben, im Niemandsland, wo ehemals der eiserne Vorhang war. Der Markt ist klein in Bulgarien und jeder sucht seine Nische. Ivan Todoroff hat sich auf Eliteweine für die High Society des Landes konzentriert. Seine Tropfen werden von Parlamentariern und Diplomaten getrunken, aus Flaschen mit schicken Etiketten. Es ist weniger der Geschmack als das Image, das diese Weine interessant macht. Von all diesem Marktkämpfen unberührt bleibt der wichtigste Winzer des Landes, der Bulgare selbst. Vesselin Uzunov, Soldat im Ruhestand, weiß, wo es den besten Wein der Welt gibt. Wenn er die alte Plastikflasche aufschraubt und sich ein Gläschen selbst gemachten Roten genehmigt, kann es für ihn nichts Besseres geben.