Weinprobe
Wallis: Viel zu gut und viel zu wenig
18. September 2005, 17:15 Uhr, arte
20. September 2005, 17:15 Uhr, arte
Autor: Jean Boué
Kamera: Uli Fischer
In dieser arte-Serie "Weinprobe / Vins á la carte" geht es um große und weniger große, um bekannte und weniger bekannte Winzer, Weine und Weinlandschaften in Deutschland, Frankreich und den anderem Weinbaunationen Europas: Kultur und Leben rund um die Rebe.
Im Wallis gibt es kaum Wein zu kaufen, der nicht aus dem Wallis kommt - aber das heißt nicht, dass es dort leicht sei, Wein zu verkaufen. Im Gegenteil. Der Wettbewerb im südlichsten Kanton der Schweiz ist äußerst hart, denn es gibt nicht nur viele Weinbauern, sondern auch zahlreiche, die sehr guten Wein produzieren. Einer, der darunter zu leiden hat, ist der junge Winzer Jean-Yves Crettenand, dessen Weine nicht en gros, sondern nur in wenigen Vinotheken zu kaufen sind. Auf neun Hektar baut er seine vorwiegend heimischen Reben an. Für den Verkauf im Supermarkt produziert er zu wenig, exportieren kann er nicht, dazu fehlen ihm die internationalen Kontakte und der gute Name.
Da hat es Marie-Therese Chappaz etwas leichter, sie ist ein stiller Star des Wallis. Ihre Weine wachsen in den steilsten Hochgebirgslagen, dort, wo kein Fahrzeug mehr hinkommt. Die Lese zwischen den Trockensteinmauern ist mühselig, nur in kleinen Mengen können die geernteten Trauben ins Tal transportiert werden. Das macht ihre Weine hochpreisig, aber auch gesucht. Die Walliser Weine sind selten im Ausland zu bekommen. Bisher hat die Schweizer Weinwirtschaft nicht besonders viel Wert darauf gelegt, ihren Fendant oder Dôle im restlichen Europa zu verkaufen. Lediglich der Walliser Winzer Dominique Rouvinez bot kürzlich eine halbe Million Liter Fendant dem größten deutschen Billigdiscounter an. Keine schlechte Qualität und zu einem für Schweizer Verhältnisse allzu günstigen Preis. Viele Freunde des Fendant aber schrieen auf: eine solche Verschleuderung des guten Walliser Weins!