Weinprobe

Südtirol

9. Juli 2006, 17:30 Uhr, arte
11. Juli 2006, 14:25 Uhr, arte

Autorin: Steffi Illinger
Kamera: Wolfgang Penn



In dieser arte-Serie "Weinprobe / Vins á la carte" geht es um große und weniger große, um bekannte und weniger bekannte Winzer, Weine und Weinlandschaften in Deutschland, Frankreich und den anderem Weinbaunationen Europas: Kultur und Leben rund um die Rebe.

Südtirol ist nicht nur Italiens kleinstes, es ist auch sein vielschichtigstes Weingebiet: in den sonnenverwöhnten Südalpen wachsen neben den einheimischen Reben Vernatsch und Lagrein auch alle international gängigen Weiß- und Rotweine.

Es ist überdies eines der ältesten Weinbaugebiete Europas, was die Kultur, und vor allen Dingen die Architektur dieses Landstrichs tief geprägt hat und bis heute prägt: denn rund um den Kalterer See leben nicht nur innovative Winzer, sondern auch einer der interessantesten Architekten neuerer Weingüter.

Die vielfach preisgekrönten Bauten von Walter Angonese verbinden gekonnt Altes mit Neuem - die Weinprobe unternimmt einen Streifzug zu den spektakulärsten Kellereien: da steht ein schlichter Holzturm direkt neben der der Dorfkirche von Tramin, einen ganzen Weinkeller hat Angonese gar unter den Weinhang verlegt.

Weil es natürlich auch um Wein geht, besucht die Weinprobe den Pionier unter Südtirols Winzern: Alois Lageder ging schon eigene Wege, als die Weine rund um den Kalterer See als billig gepanschte Supermarkware jegliches Ansehen verloren hatten. Der Chef einer Großkellerei ist der Beweis, das Hightech und naturnahe Anbaumethoden keine Gegensätze sein müssen. Der heute weit über Südtirol hinaus bekannte Winzer ist aber auch in der Kulturszene seiner Heimat überaus aktiv: er lässt Künstler aus ganz Italien die Etiketten seiner Weinflaschen gestalten - und veranstaltet in seinem Weingut Events wie ein antikes Symposion untermalt von neuer Musik.

Ein interessantes Phänomen sind auch die Südtiroler Genossenschaften - andernorts nicht gerade bekannt als Produzenten von Topware, haben sich in Südtirol einige der Genossenschaften einen strengen Qualitätskurs verordnet und produzieren Weine, die auch international mithalten können. Angestoßen hat diese Entwicklung vor zwanzig Jahren die Genossenschaft Schreckbichl-Colterenzio: auch heute noch muss der junge Chef Wolfgang Raifer überall bei seinen 300 Weinbauern nach dem Rechten sehen und Überzeugungsarbeit leisten, wenn es darum geht, eingefahrene Wege zu verlassen, um bessere Weine herzustellen.

Die Weinprobe hat Raifer und seine Südtiroler Weinbauern nicht nur im Sommer, sondern auch im Winter besucht: denn auch bei Frost ruht die Arbeit im Weinberg nicht - mit dem Rebschnitt werden vielmehr die Weichen für den kommenden Jahrgang gestellt.