Weinprobe

Beaujolais

10. September 2006, 17:30 Uhr, arte
12. September 2006, 14:25 Uhr, arte

Autor: Alix F. Meier
Kamera: Peter Klotz

In dieser arte-Serie "Weinprobe / Vins á la carte" geht es um große und weniger große, um bekannte und weniger bekannte Winzer, Weine und Weinlandschaften in Deutschland, Frankreich und den anderem Weinbaunationen Europas: Kultur und Leben rund um die Rebe.

„ Seit zwanzig Jahren reden wir uns den Mund fusslig, dass wir nicht nur den Beaujolais Nouveau haben, sondern auch unsere Spitzenlagen“, erzürnt sich der Winzer Laurent Matray. „Doch niemanden interessiert das. In Burgund gibt es doch auch fuderweise schlichteste Weine, aber alle Welt spricht nur von den Grands Crus der Bourgogne. Das sitzt uns Beaujolais-Winzern schwer im Nacken. Man nennt uns schon die armen Verwandten Burgunds.“ Der Absatz seiner Lagenweine leidet schwer unter dem Image des Beaujolais Nouveau, eines süffiger, einfachen Jungweins, der seinen Trinkern am nächsten Morgen nicht selten schwere Kater und Kopfschmerzen eingetragen hat. Wahr ist aber, dass das Beaujolais, das Weinanbaugebiet oberhalb von Lyon, seit den 80er Jahren vor allem seinetwegen international bekannt wurde. Das wiederum ist vor allem einem Mann zu danken: Georges Duboeuf, einem der größten Weinhändler des Beaujolais. Er hat früh das Marketingpotential des Nouveau erkannt und zu nutzen gewusst. Dem Frust von Winzern wie Laurent Martray tritt er entgegen und propagiert die große Familie der Beaujolais-Winzer, die alle von der Bekanntheit des Beaujolais Nouveau profitieren können. Denn auch, wenn die frenetische Begeisterung der Nouveau-Gemeinde langsam abklingt, weiß Georges Duboeuf, dass die wirtschaftliche Existenz der ganzen Region vom Massenverkauf des Jungwein abhängt. Jahr für Jahr werden rund 80 Millionen Flaschen abgefüllt, deren Entkorkung an jedem dritten Donnerstag im November weltweit gefeiert wird. Und das soll nach dem Willen Duboeufs möglichst noch lange so bleiben.