Weinprobe
Sauternes
17. September 2006, 17:30 Uhr, arte
19. September 2006, 14:25 Uhr, arte
Autor: Alix F. Meier
Kamera: Hans-Jürgen Büsch
In dieser arte-Serie "Weinprobe / Vins á la carte" geht es um große und weniger große, um bekannte und weniger bekannte Winzer, Weine und Weinlandschaften in Deutschland, Frankreich und den anderem Weinbaunationen Europas: Kultur und Leben rund um die Rebe.
Der Sauternes ist ein goldfarbener, gewürzbetonter und exotisch duftender Wein, ein einzigartiger, edelsüßer Weißwein, der seines Wohlgeschmacks und seiner faszinierenden Aromenspiels wegen in aller Welt geschätzt und in seinen besten Qualitäten zu den großen Luxusgütern unter den Tafelfreuden gezählt wird. Benannt ist er nach dem Städtchen Sauternes, das vierzig Kilometer östlich vor Bordeaux in einer sanften Hügellandschaft gelegen ist.
„Wer hier Wein anbaut, muss starke Nerven haben. Das Wetter spielt mit uns Roulette wie nirgends sonst auf der Welt“, sagt Pierre Meslier, der Altmeister unter den Sauternes-Winzern. „Nur wenn im September die Frühnebel aufsteigen, kann sich auf den weißen Semillon-Trauben der Schimmelpilz Botrytis cinerea bilden. Eigentlich ist er eine Plage für die Land- und Weinwirtschaft. Bei uns jedoch entwickelt er bei den reifen Trauben die hocherwünschte Edelfäule.“ Wenn der Pilz die Trauben befällt, bohrt er sich in ihre Haut, lässt das Wasser verdunsten und Zucker und Aromastoffe zurück. Dabei spielen die Winzer mit dem Feuer: sie müssen die Wirkung der Edelfäule und das Konzentrat der Stoffe abwarten. So kann sich die Ernte durch immer neue Lesegänge über Wochen, gar Monate hinziehen. Pierre Meslier hat in seiner Karriere Nerven wie Drahtseile und immer die richtige Intuition für Wetter und Weine gehabt: Siebenundzwanzig Jahre lang war er Kellerchef von Chateau D’Yquem, dem berühmtesten Produzenten von Sauternes. Heute ist der Sechsundsiebzigjährige Berater auf dem Weingut seiner Kinder und Garant für die Qualität der Weine. Keine leichte Aufgabe, denn nur drei von zehn Jahrgängen gelten im Durchschnitt als gut. Die „Weinprobe“ hat das Bangen von Pierre Meslier und seiner Kollegen im Herbst 2005 beobachtet.