Dokumentation

Heldentod – Der Mythos vom schönen Sterben

arte, Freitag, 5. November 2004, 22:15 Uhr

5. November 2004, 22:15 Uhr, arte
16. November 2004, 1:15 Uhr, arte

Autoren: Gorch Pieken und Christian Schumacher
Kamera: Erik Krambeck, Manuel Siebert


Heldentod – Der Mythos vom schönen SterbenKaum eine Gesellschaft ist ohne personifizierte Leitbilder denkbar. Heldenverehrung ist ein uraltes Phänomen, das sich in fast allen Kulturen und Religionssystemen findet. Doch hat es den Anschein, als lebten wir schon lange nicht mehr in einem heroischen Zeitalter.

Im mythologischen Pantheon der europäischen Nationen sind die Gestalten des Opfers und der Erlösung, die Helden, die ihr Leben für die Rettung der Gemeinschaft gaben, unendlich zahlreicher als die Künstler und Wissenschaftler oder Philantrophen. Woher rührt diese Vorliebe, die zu einem regelrechten politischen Totenkult wird, genauer gesagt zu einem Kult des im Kampf gefallenen Soldaten? Eine Zeitreise durch mehr als 200 Jahre deutscher und europäischer Geschichte sucht Antworten.

Heldentod – Der Mythos vom schönen SterbenWas nachgeborene Generationen heute schockiert und abstößt, war für die Zeitgenossen eine bewundernswerte Leistung. Im Krieg durch den „Heldentod“ für das Vaterland ein „Held“ zu werden, dieses Ideal wurde vornehmlich jungen Männern in Deutschland seit den Freiheitskriegen 1813/14 und 1815 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges gepriesen und von vielen ernst genommen.

Seit 1945 sind der Krieg und die damit verbundenen Leistungen des „Heldentodes“ keine anerkannten Werte mehr in der Bundesrepublik. „Helden“ wie Theodor Körner und Manfred von Richthofen wurden nach und nach aus dem kulturellen Gedächtnis der Nation gelöscht. Die nach zwei Weltkriegen bestehende Furcht vor dem Krieg wurde durch die Vision eines globalen atomaren Todes noch verstärkt. Die Pluralität sozialer, kultureller und politischer Wertsphären einer offenen Gesellschaft bietet viele bewunderte Stars, ja vielleicht „Helden“ einer globalen Sport- und Freizeitkultur an. Militärische „Helden“, so mag man meinen, spielen keine Rolle mehr. Ändert sich dies nun mit dem Umbau der Bundeswehr zu einer „Armee im Einsatz“?

Zum Krieg gehört auch das Getötetwerden. Wie geht die bundesdeutsche Öffentlichkeit mit den im Auslandseinsatz getöteten Bundeswehrsoldaten um? Werden sie zu neuen Opferhelden des neuen Jahrtausends?

Heldentod – Der Mythos vom schönen Sterben