Dokumentation
Christies – Das Haus der Gebote
arte, Donnerstag, 9. Dezember 2004, 19:00 Uhr
9. Dezember 2004, 19:00 Uhr, arte
8. November 2005, 18:15 Uhr, arte
Autor: Jean Boué
Kamera: Uli Fischer
Es ist das älteste Auktionshaus der Welt und wohl auch das berühmteste: Christie´s in der Londoner King Street, wo mit dem Stammhaus der Firma bis heute zugleich ihr Hauptsitz ist. Seit James Christie 1766 hier mit regelmäßigen Versteigerungen von Objekten aller Art begann, hat sich sein Haus in ein weltweit tätiges Unternehmen gewandelt, dessen 89 Auktionsbüros in 35 Ländern dafür arbeiten, Gemälde und Möbel, Juwelen und Spielzeug, Weinraritäten, Sportdevotionalien und vieles Wertvolle mehr von einem Mann an den anderen zu bringen. Ob Christie´s in New York ein Van-Gogh-Gemälde für 82 Millionen Dollar versteigert oder in London eine Diamantbrosche für 2000 Pfund – stets werden mit höchster Sorgfalt von wissenschaftlich ausgebildeten Fachleuten Expertisen angefertigt und angemessene Schätzpreise ermittelt, die dann den Versteigerungen zugrunde liegen.
Die Filmdokumentation von Jean Boué zeigt die Vielfalt der unternehmerischen Tätigkeiten bei Christie´s und beobachtet die Angestellten des Auktionshauses bei ihrer Arbeit: Den Schätzer, der an einem Tresen erste Valuationen für jeden erteilt, der glaubt, etwas Kostbares in der Hand oder einen Rembrandt auf dem Dachboden entdeckt zu haben, ebenso wie den Chef des Hauses, der über Geschichte und Gegenwart von Christie´s erzählt und dessen Rang in der internationalen Kunstszene verdeutlicht, für alte Kunst wie für klassische und zeitgenössische Moderne. Der Film begleitet den Leiter der Abteilung für antike Möbel auf einem Hausbesuch, wo er einen für besonders edel gehaltenen alten Schrank zur Enttäuschung der Besitzerin weit geringer einschätzt, als sie selbst erwartet hatte.

Wir werden Zeugen einer Christie´s-Auktion nahe Antwerpen, wo das Inventar eines ganzen Schlosses unter den Hammer kommt und wir ein kunstsinniges Ehepaar aus England beim diskreten Bietgefecht verfolgen. Schließlich sind wir dabei, wie in London die weltberühmte „Odaliske“ von Matisse per Hammerschlag den Besitzer wechselt – für zehn Millionen Dollar. Der Film vermittelt packende Einblicke in die nüchterne Alltagsarbeit eines internationalen Versteigerungshauses wie in die glanzvolle Atmosphäre seiner bedeutenden Auktionen, wo Geld keine Rolle zu spielen scheint. „Es ist“, sagt Chairman Dermot Chichester, „auch nichts anderes als ein Viehmarkt. Nur dass unsere Kühe und Schafe mehr Glamour haben.“