Dokumentation

Alexandre Dumas - Erfundenes Leben, gelebter Roman

arte, Sonntag, 21. Juli 2002, 22:30 Uhr

21. Juli 2002, 22:30 Uhr, arte
27. Juli 2002, 15:14 Uhr, arte
30. Juli 2002, 01:58 Uhr, arte

Autor: Holger Preuße
Kamera: Svea Andersson


Alexandre Dumas - Erfundenes Leben, gelebter RomanAls er zu schreiben aufhört, ist der Tod nicht mehr fern. Er schließt sich in sein Zimmer ein und beginnt seine Werke zu lesen. Er fragt sich, ob seine Bücher überleben werden. Sein Sohn sagt: „Du kannst ruhig schlafen auf deinem Granitblock. Er ist so hoch, dass es einem schwindelt, aber fest und dauerhaft wie unsere Sprache und unsterblich wie das Vaterland.“ Der Kranke lächelt zufrieden und stirbt.

Am 24. Juli 2002 jährte sich der Geburtstag von Alexandre Davy de la Pailleterie, besser bekannt als Alexandre Dumas der Ältere, zum zweihundertsten Mal. Seine Bücher begeistern noch immer ein Millionenpublikum. Mit seinen Romanen „Die drei Musketiere“ und „Der Graf von Monte Christo“ hat er französische Mythen geschaffen, die auf der ganzen Welt bekannt sind. Was der Vater dem jungen D’Artagnan mit auf den Weg gibt, macht sich Alexandre Dumas selbst zur Lebensregel: „Gehe keiner Gelegenheit aus dem Wege, suche die Abenteuer!“ Geboren als Enkel einer schwarzen Sklavin, macht er sich im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts in Paris zunächst als Theaterautor rasch einen Namen. „Das Genie von Dumas ist insbesondere ein Genie des Dialogs“, sagt Claude Schopp, einer der besten Kenner von Dumas’ Leben und Werk. Sein Degen ist seine Feder. Dumas schreibt um sein Leben. Er weiß, dass das Geld regiert und davon braucht er viel, denn er führt ein sehr ausschweifendes Leben. „Jedes Buch dient dazu Schulden zu begleichen, er muss viel schreiben, um nicht bankrott zu gehen. Oft hat er die Wahl zwischen Schreiben oder Gefängnis“.

Alexandre Dumas - Erfundenes Leben, gelebter RomanDas Schreiben ist die Fortsetzung des Lebens mit anderen Mitteln und umgekehrt – erfundene Welt und gelebter Roman. In der Zeit, die er nicht mit „seiner liebsten Feder“ und „seinem liebsten Papier“ verbringt, wechselt er die Wohnungen, Salons und Betten. Affäre auf Affäre. Wie er die Leser mit seinen Büchern verführt, so erobert er die Frauen. In seinem Wunsch nach dem Unmöglichen zählen Vielzahl und Vielfalt. Er hat eine solche Unmenge geschrieben, dass zahlreiche Romane von Dumas bis heute nicht veröffentlicht sind. Kürzlich hat Alexandre Dumas höchste staatliche Weihen erhalten. Staatspräsident Jacques Chirac hatte entschieden, dass Dumas’ Leichnam ins Panthéon überführt wird. Neben Voltaire, Rousseau, Zola und Hugo hat er in dem Ruhmestempel seinen Platz gefunden. In der Dokumentation von Holger Preuße kommen Liebhaber und Kenner von Alexandre Dumas’ Werk zu Wort: so der Biograph Claude Schopp, das Mitglied der Académie Française Alain Decaux, der langjährige Kulturminister Jack Lang und Didier Decoin, Präsident der Gesellschaft der Freunde Alexandre Dumas’. Die Gespräche mit den Interviewpartnern, Spielfilmausschnitte, szenische Visualisierung und Elemente der Reportage lassen ein Bild von Dumas außergewöhnlichem Leben entstehen.