Dokumentation

Mathias Döpfner - Mein Leben

arte, Sonntag, 24. Februar 2008, 18:10 Uhr

Autor: Felix Schmidt
Kamera: Peter Petrides

Er ist der größte Medienmann Deutschlands; misst gute zwei Meter; vor allem aber ist er der derzeit erfolgreichste. Seit er im Jahre 2002 zum Vorstandsvorsitzenden der Axel Springer AG berufen wurde, hat Mathias Döpfner Jahr für Jahr den Gewinn in die Höhe getrieben. Mit einem Verlust von 191 Millionen Euro hat er begonnen; einen Gewinn von nahezu 300 Millionen konnte er letzthin vermelden, das beste Ergebnis, das Springer je hatte. Als „Zeichen der Wertschätzung“ hat ihm die Verleger-Witwe und Mehrheitsaktionärin Friede Springer neulich einen Zwei-Prozent-Anteil am Verlag zum Vorteilspreis überlassen.

In der Mitte, wo die Vernunft istFriede Springer hat Döpfner, nachdem er ausgezeichnete Arbeit als Chefredakteur der „Welt“ geleistet hatte, gegen den anfänglichen Widerstand des Aufsichtsrates zunächst als Zeitungsvorstand und dann als Vorstandsvorsitzender durchgesetzt. „Ich bin stolz drauf, dass wir das hinbekommen haben“, verkündete Frau Springer bei ihrer Geburtstagsfeier im Jahr 2000. Springer hat mit Döpfner nach vielen Jahren wieder eine Führungsfigur, die durch Entschiedenheit, angemessene Härte und dank einer überzeugenden Zukunftsstrategie das Verlagshaus auf Vorwärtskurs bringt.

Seinen atemlos verlaufenen Aufstieg vom Musikkritiker der FAZ zum Medientycoon verdankt Döpfner nicht nur seinem praktischen Gespür für das Naheliegende, für den Sanierungsprozess des Verlages, sondern vor allem seiner Fähigkeit, in die Zukunft zu denken und das Verlagshaus für die Anforderungen des Internetjournalismus zu rüsten, bei dem mehr und mehr die Leser bestimmen, was sie lesen wollen und nicht die Redakteure, was die Leser lesen sollen. Ein gewaltiger Umbruch.

Bei der Diskussion über die Zukunftsperspektiven, die angesichts der sinkenden Auflagenziffern bei Zeitungen und Zeitschriften mit Vehemenz geführt wird, kommt neben der Strebsamkeit ein anderer Wesenszug Döpfners zum Vorschein: ein unbeugsamer Wille, zu verändern und sich durchzusetzen. Und das hat er schon früh gelernt. Er erinnert sich daran, dass er, schon immer ein langer Lulatsch, im Sportunterricht immer als letzter in eine Mannschaft gewählt wurde. „Ich glaube fest“, sagt er, „dass diese Demütigungen ein entscheidender Impuls für meine Karriere war. Ich war dazu verdammt mich durchzuboxen.“

Wenn ihn einmal ein Schlag trifft, wie im vergangenen Jahr, als das Kartellamt den Kauf der „ProSieben-Sat.1 Media“ unterband, kann er das Scheitern auch nicht als wirkliche Niederlage begreifen, denn er hat ja unverbrüchlich an das Gelingen geglaubt. In einer Betriebsversammlung erklärte er: „Es war eine verdammt sinnvolle und gut verhandelte Transaktion.“ Sie hätte Europas größtes Zeitungshaus vom Geschäft mit bedrucktem Papier unabhängiger gemacht - was Döpfner nach wie vor anstrebt.

Bevor Döpfner 1998 als Chefredakteur zur „Welt“ ging, das Blatt aus dem Schlaf riss und mit Autoren-Beiträgen und einem modernen Layout zu neuem Ansehen verhalf, war er Chefredakteur der „Wochenpost“ und der „Hamburger Morgenpost“ – beides Zeitungen des Gruner+Jahr-Verlages. Als er dann im Jahre 2000 bei Springer für den Multimedia-Bereich in den Vorstand einrückte und 2002 Vorstandsvorsitzender wurde, besetzte er nach und nach wichtige Posten, vor allem in den Chefredaktionen, mit Leuten, denen er vertraut und denen er vor allem den Job zutraut; damit führte er auch die überfällige Verjüngung herbei.

Dass der promovierte Musikwissenschaftler nicht den Schöngeist geben will und zuschlagen kann, machte er gleich nach Amtsantritt als Vorstandschef klar: Döpfner zog eine Option, die den Springer-Gesellschafter Leo Kirch zwang 1,5 Milliarden DM für seinen 11,5 Prozent - Anteil an „ProSieben-Sat. 1“ zu bezahlen. Die Folgen sind bekannt. Das hätte ihm keiner zugetraut. Auch nicht, dass er den einst einseitig-rechten Verlag in die politische Mitte führen würde, dorthin, wo die Vernunft und die aufgeklärten Konservativen zu Hause sind. Das mochte auch der Nobelpreisträger und bekennende Springer-Feind Günter Grass nicht übersehen, als er in ein Gespräch mit Döpfner einwilligte, das an neutralem Orte, im „Spiegel“ abgedruckt wurde – allerdings bevor die SS-Vergangenheit von Grass zu Tage kam. Trotz heftiger Kritik an „Bild“ ließ Grass keinen Zweifel an seiner Sympathie für den Springer-Chef: „Er meint es ernst mit der Liberalisierung des Springer-Verlags.“

Der Film beschreibt nur kurz den traumhaften Aufstieg Döpfners zum Vorstandsvorsitzenden der Axel Springer AG. Er widmet sich vornehmlich den Zukunftsideen Döpfners. Denn er gilt mittlerweile als Vordenker des Verlagswesens, das vor gewaltigen Umwälzungen steht, die nur noch nicht alle begriffen haben. Was machen deutsche Verlage in 20 Jahren? Gibt es dann die herkömmlichen Zeitungen noch? Wie weit sind die Verlegerpläne fürs Internetfernsehen gediehen? Wie sieht das Berufsbild des Redakteurs aus, der künftig wohl ein Service-Journalist sein wird und in hohem Maße Leserwünsche zu erfüllen hat? Das sind einige der Fragen, auf die Döpfner eine Antwort zu geben hat.