Das Philosophische Quartett
Vom Glück im Leben
ZDF, Sonntag, 25. November 2007, 23:30 Uhr
Phoenix, Sonntag 09.Dezember 2007,13.00 Uhr
Gäste:
Monika Maron, Schriftstellerin
Prof. Dr. Wilhelm Schmid, Philosoph und Glücksforscher
Glück, ja – aber was ist das? Von der Antike bis heute haben Philosophen diese Frage gestellt, und natürlich haben sie – je nachdem, welcher Denkschule sie angehörten – die unterschiedlichsten Antworten gefunden. Sie fanden das Menschenglück im möglichst vollen Genuss irdischer Güter, im Ausleben der Begierden, in Zügellosigkeit und dem Erleben grenzenloser Freiheit. Andere sahen wahres Glück und glückhaftes Leben an Beständigkeit und die souveräne Beherrschung der Begierden gebunden. Noch andere empfahlen die Askese, den vollkommenen Verzicht als Weg in ein geglücktes Dasein. Oder ließe sich das Glück in einer Mitte finden, im Maßhalten zwischen den Extremen, im Zuwenden an andere, im politischen Wirken für die staatliche Gemeinschaft?
Im „Philosophischen Quartett“ wollen Peter Sloterdijk und Rüdiger Safranski sich als Glückssucher betätigen und sowohl methodisch als auch aphoristisch ihre philosophischen Wünschelruten auf den nach wie vor verborgenen Schatz richten. Natürlich sind sie skeptisch: „Das Glück“, sagt Safranski, „hat die Eigenschaft, dass man es nur trifft, wenn man nicht darauf zielt“. Sloterdijk hält sich mit einem französischen Kollegen an eine eher pragmatische Vorgabe: „Da das Glück so selten ist“, schlägt er vor, „sollten wir versuchen, ohne es glücklich zu sein“.
Zwei versierte Fährtensucher stehen den Gesprächsleitern zur Seite: die Schriftstellerin Monika Maron, die das Thema in ihrem neuen Roman, „Ach Glück“ literarisch umkreist, und der Philosoph Wilhelm Schmid, Deutschlands führender Glücksforscher, der in zahlreichen Büchern und seiner philosophischen Praxis eine umfassende Philosophie der Lebenskunst entworfen hat.
Niemand sei, so heißt es, vor seinem Tod glücklich zu preisen. Aber danach doch wohl auch nicht. Hat, wer lacht, die schlechte Nachricht nur noch nicht erhalten? Wäre also Glück allein die Abwesenheit des Unglücks? Sophisten und Sokratiker, Aristoteliker und Epikureer, Kyniker und Stoiker, die Glaubenslehrer und Gottesgelehrten aller großen Religionen, Philosophen von Kant und Schopenhauer bis zu den Denkern heute wie Spaemann, Schmid und Watzlawick – sie alle unternehmen es, methodisch denkend Schneisen in den Dschungel des Begriffs zu schlagen. Nicht zu reden von Neurobiologen und Hirnforschern, die den Rätseln mit den scharfen Mitteln ihrer Wissenschaft zu Leibe rücken. Auch die Bestsellerlisten sind gut gefüllt mit Fluten populärer Ratgeber zur Lebensgestaltung à la Dale Carnegie („Sorge dich nicht – lebe“) und all den kaum zu zählenden psychologisierenden Konkurrenten.
Ein Thema also für jeden Tag, ein Alltags-Thema. Gewiss aber auch: ein Menschheitsthema. Dass die amerikanische Unabhängigkeitserklärung im idealistischen Licht der Aufklärung dem Streben der Menschen nach Glück Verfassungsrang gegeben hat, hilft auch nicht weiter, denn die Antwort auf die Frage, wie das denn zu bewerkstelligen sei, hält sie natürlich programmatisch offen. Die Frage lautet: Wie kann heute, unter den Bedingungen des demokratisch-pluralistischen Sozialstaats mit seinem immensen Potential an individuellen Freiheitsgarantien, ein Leben glückhaft gelingen?
Das nächste Philosophische Quartett präsentiert das ZDF am Sonntag, dem 17. Februar 2008. Mehr Informationen unter www.zdf.de
Die Gäste:
Monika Maron, 1941 in Berlin geboren, ist eine der bedeutendsten Schriftstellerinnen Deutschlands. Sie wuchs als Stieftochter des Innenministers Karl Maron in der DDR auf, studierte Theaterwissenschaft und war journalistisch als Reporterin bei den Ost-Berliner Zeitschriften „Für Dich“ und „Wochenpost“ tätig. Seit 1976 lebt sie als freie Schriftstellerin; 1981 debütierte sie mit dem Roman „Flugasche“, in dem sie die Umweltverschmutzung in der DDR (Bitterfeld) thematisiert. Nach weiteren drei Romanen, die zunehmend die Entfremdung der Autorin von den Lebensumständen im sozialistischen Deutschland bezeugen, verlässt sie die DDR, lebt zunächst in Hamburg, dann in Berlin. Ihr Roman „ Stille Zeile Sechs“ von 1991 wird ein bedeutender Erfolg bei Kritik und Publikum, nicht anders „Pawels Briefe“ (1999) und „Endmoränen“ (2002). In ihrem neuen Roman „Ach Glück“ (2007) setzt sie sich mit den Unwägbarkeiten des Alterns, den raren, aber um so intensiver zu lebenden Momenten des Glücks und den Risiken und Freuden des immer neuen Anfangs und Aufbruchs auseinander. Monika Maron ist vielfach ausgezeichnet worden. Sie lebt in Berlin.
Wilhelm Schmid, 1953 im bayerisch-schwäbischen Billenhausen geboren, hat sein wissenschaftliches Leben ganz der Glücks- und Lebenskunstphilosophie verschrieben und ist heute der wichtigste deutsche Vertreter dieses philosophischen Genres. Seit er seine Studien in Berlin (FU), Paris (Sorbonne) und Tübingen mit einer Dissertation über Michel Foucault abschloss und sich, nach verschiedenen Lehrtätigkeiten an den Universitäten Leipzig, Berlin und Jena, 1997 in Erfurt über eine „Grundlegung zu einer Philosophie der Lebenskunst“ habilitierte, lebt er in Berlin als freier Philosoph. In zahlreichen Büchern – zuletzt „Mit sich selbst befreundet sein“ (2004) und „Glück. Alles, was Sie darüber wissen müssen, und warum es nicht das Wichtigste im Leben ist“ (2007) – formt er das Thema seines Lebens aus. Zugleich nimmt er Gastprofessuren und Lehraufträge in Riga, Tiflis und anderen in- und ausländischen Universitäten wahr. Seit 1998 arbeitet er jeweils zwei Wochen im September als philosophischer Seelsorger im Spital Affoltern am Albis bei Zürich. Für die Neue Zürcher Zeitung am Sonntag schreibt er die Wochenkolumne „Lebenskunst“.