Das Philosophische Quartett

Putins Russland - Erkundung eines unheimlichen Landes

ZDF, Montag, 26. November 2007, 23:30 Uhr

Phoenix, Sonntag, 14. Januar, 13.00 Uhr
3sat, Sonntag, 28. Januar 2007, 13.30 Uhr

Gäste:
Prof. Egon Bahr, Politiker
Prof. Dr. Boris Groys, Philosoph



Seit Ivan dem Schrecklichen sucht der Gigant im Osten Träume und Albträume der westlichen Nationen heim. Immer waren das Russland diesseits und jenseits des Urals, der europäische wie der asiatische Teil des Riesenreichs Projektionsraum der westeuropäischen Schreckensvorstellungen – von romantischintonierten Empfindungen abgesehen, aus dem sich immer wieder einmal schwärmerisch in Literatur und Musik der Russen Belege einer beträchtlichen Seelentiefe diagnostizieren ließen. Umgekehrt diente und dient der Westen Russland als Spiegel: von hier wollte und will man taugliche Kulturmuster beziehen.

Das dies (auch) für die politischen Rahmenbedingungen gelte, war (und ist) die große Hoffnung des Westens seit dem Fall des Sowjetblocks. Doch die Blütenträume der ersten Jahre in der postkommunistischen Ära wollen sich nicht wirklich erfüllen. Nach dem Liquidator Gorbatschow und dem dann demokratisch zum Nachfolger gewählten Hoffnungsträger Boris Jelzin nährt der amtierende Präsident Vladimir Putin wieder jene alten paradigmatischen Szenerien, die bei Beobachtern das Bild Russlands als einer undurchschaubaren, brutalen Machtmaschinerie aufleben lassen: durch Drangsalierung der Opposition, durch harsche Gängelung der gerade zu unabhängiger Berichterstattung aufgebrochenen Medien und durch aufsehenerregende Todesfälle kritischer Journalisten. Dass Altkanzler Gerhard Schröder in dem einstigen KGB-Offizier noch kürzlich einen „lupenreinen Demokraten“ zu erkennen vermeinte, ist in der deutschen wie internationalen Öffentlichkeit jedenfalls auf Befremden gestoßen.

In welchen geopolitischen Konstellationen Putin seine Nation aufgestellt sieht – auch und gerade nach der entscheidenden Schwächung von „Freund George“ Bush, auf welchen ideenpolitischen Wegen – oder Irrwegen – er sein Land in die Zukunft führen wird, ob er noch den Willen hat, Russland in die Gemeinschaft, freier, rechtssicherer Völker einzubringen, darüber diskutieren mit Peter Sloterdijk und Rüdiger Safranski der Politiker Egon Bahr und der Philosoph Boris Groys.

Das Philosophische Quartett