Das Philosophische Quartett

Lernen lernen - Das Elend der deutschen Schule

ZDF, Samstag, 21. Mai 2005, 23:30 Uhr

3sat, 29. Mai 2005, 13.30 Uhr

Gäste:
Dr. Bernhard Bueb, Direktor Schule Schloss Salem
Dr. Florian Langenscheidt, Verleger



Als im vergangenen Jahr fünf internationale Experten der OECD deutsche Schulen besuchten, mit Lehrern und Wissenschaftlern sprachen, kamen sie zum Schluss: „Die heutige Gliederung deutscher Schulen gehört zu einem vergangenen ökonomischen und gesellschaftlichen System“. Gemeint war vor allem die Zergliederung in Hauptschule, Realschule und Gymnasium, die den Inspektoren als „besonders deutsches Übel“ auffiel. Neben dieser in der Welt einmaligen Bildungsapartheid – fast fünf Prozent aller Schüler werden überdies in Sonderschulen abgeschoben – irritierte die OECD-Gesandten auch das „unflexible System von Verwaltung und Besoldung“ und der „exotische“ Beamtenstatus der Lehrer, der nirgendwo sonst auf der Welt zu finden ist.

Als jüngst ein renommierter deutscher Pädagoge, der Leiter der Schule Schloss Salem, Dr. Bernhard Bueb, das Thema aufgriff und „die sehr verbreitete Beamtenmentalität der Lehrer“ beklagte, die Abschaffung des Beamtenstatus´ „eher heute als morgen“ und zudem die Ganztagsschule forderte – „der Arbeitsplatz des Lehrers muss die Schule sein, auch am Nachmittag“ – kam eine vehement emotionale Diskussion in Gang. Sie zeigt, wie stark das Thema, die mangelhafte Ausbildung unserer Kinder, die Menschen beschäftigt. Warum werden Lehrer nicht leistungsorientiert besoldet, wird gefragt? Und: wer wird in Deutschland eigentlich Lehrer? Wer prüft ihre pädagogische Eignung? Und warum müssen Schulen nicht Rechenschaft über ihre Leistungen und Ziele ablegen?

Seit vielen Jahren gibt es darüber ein Reformgeraune und hölzerne Bildungsdebatten – geändert hat sich nichts. Wir sind in Deutschland immer noch auf der Suche nach einem gesellschaftlichen Konsens, der Kindern und Jugendlichen zu Glück und Bildung durch schulische Anstrengung und Disziplin verhilft. Die Leitfiguren, die Vermittler von Bildung und Glück können in einer Zeit, in der die Elternhäuser in der Erziehung mehr und mehr versagen, nur die Lehrer sein.

Doch wenn wir von Lehrern sprechen, denken wir an kleinbürgerliche Studienräte und verknöcherte Akademiker, die kaum in der Lage sind, durch Zuneigung und Autorität die schöpferischen Kräfte in den jungen Menschen freizusetzen, geschweige denn ihnen zu vermitteln, wie das Lernen zu lernen ist. Das Elend der deutschen Schule manifestiert sich nicht nur in den miserablen Pisa-Noten, sondern eher im Unvermögen, Partei- und Einzelinteressen zu beseitigen, die verhindern, dass Maßnahmen ergriffen werden, mit denen Erziehung und Bildung die absolute Priorität gesichert wird.

Peter Sloterdijk und Rüdiger Safranski wollen im „Philosophischen Quartett“ mit Dr. Bernhard Bueb, dem Leiter der Schule Schloß Salem, und Dr. Florian Langenscheidt, dem Lexikonverleger und engagierten Bildungsexperten, Wege aus der Misere freilegen.

Das Philosophische Quartett