Das Philosophische Quartett

Globale Katastrophe - globales Gefühl

ZDF, Sonntag, 20. Februar 2005, 23:30 Uhr

3sat, 27. Februar 2005, 13.30 Uhr

Gäste:
Prof. Dr. Joseph Haslinger, Schriftsteller
Giovanni di Lorenzo, Chefredakteur



Als die Flutwellen verebbt waren und die Bilder der Leichen und der verwüsteten Landschaft um die Welt gingen, war die Menschheit in dem überwältigenden Gefühl der Betroffenheit und des spendenträchtigen Mitleids geeint. Wie konnte es dazu kommen? Die Gastgeber des "Philosophischen Quartetts" Peter Sloterdijk und Rüdiger Safranski gehen in der Autostadt in Wolfsburg mit ihren Gästen, dem österreichischen Schriftsteller Josef Haslinger, der nur knapp der Flutkatastrophe entkommen ist, und dem Chefredakteur der "Zeit", Giovanni di Lorenzo, der Globalisierung der Gefühle nach, untersuchen auch an anderen Beispielen, warum schreckliche Ereignisse weltweit kollektive Affekte auslösen.

Ausgehend von der Flutkatastrophe vom 26. Dezember 2004 in Asien fragen sie nach der Funktion und Bedeutung jener kollektiven Affekt-"Epidemien", die sich im Anschluss an Naturkatastrophen, Großunfälle und Attentate, in der globalisierten Nachrichtenwelt ausbreiten. Welche Chancen, aber auch welche Gefahren lauern im weltweiten Nachrichtenstrom? Schwer überprüfbare Gerüchte breiten sich aus, die, so Peter Sloterdijk, der Erregung und Steuerung von Gefühlen in diffusen Öffentlichkeiten dienen - schwankend zwischen Empörung und Ergriffenheit.

Peter Sloterdijk, Rüdiger Safranski und ihre Gäste diskutieren über die zeitgenössische Konstruktion von Weltöffentlichkeit, über den Moment, in dem sich Katastrophen in den Nachrichten spiegeln und sich fortsetzen. Wie sehr können wir unseren Gefühlen trauen? Was löst sie aus? Verstehen es nicht zum Beispiel Terroristen, mit einem Attentat globale Gefühle anzufachen und für ihre Zwecke zu missbrauchen? Wie hat die Öffentlichkeit in früheren Zeiten auf Katastrophen reagiert? Vor diesem Hintergrund überprüft das "Philosophische Quartett" die umstrittene These, dass in der weltumspannenden Medienwelt das reale Ereignis zunehmend dem Gesetz des Entertainments untergeordnet werde.

Das Philosophische Quartett