Das Philosophische Quartett
Vom Nutzen und Nachteil der Religion
ZDF, Sonntag, 28. November 2004, 23:30 Uhr
3sat, 12. Dezember 2004, 10.30 Uhr
Gäste:
Prof. Dr. hc. Bazon Brock, Ästhetologe und Gestalttheoretiker
Dr. Martin Mosebach, Schriftsteller
"Wie hältst du´s mit der Religion?": Die alte Gretchenfrage ist unversehens wieder aktuell und virulent geworden. Unter dem Druck des islamischen Terrorismus, beim Kopftuch- und beim Kruzifix-Streit, beim Wortlaut der Präambel zur Europäischen Verfassung wie bei den Erregungen über die mögliche Aufnahme der Türkei in die Europäische Union ist die Ortung des Individuums wie der Gesellschaft im Glauben zu einer hochpolitischen Frage geworden. Wie christlich ist das christliche Abendland? Wie viel Religion haben wir noch, und wieviel Heuchelei ist dabei im Spiel?
Es scheint, als beschleunige der dynamische Aufbruch des fundamentalistischen Islams in aller Welt auch die Wiederkehr der christlichen Religion in die säkularisierten westlichen Lebenswelten und einen neuen christlichen Fundamentalismus. Freilich: die Hirten der Amtskirchen ringen um ihre Schafe, die Gotteshäuser leeren sich zusehends. Dagegen wächst die Zahl der religiösen Hobbykeller: Obskure Sekten haben Zulauf, die Esoterik-Branche boomt. Hier kündigt sich etwas an: Das unbestimmt Religiöse kommt als Teil der Warenwelt, als Konsumartikel zurück. Auch aus politischen Gründen wäre ein Erstarken der Religion hierzulande womöglich wünschenswert. Denn was fehlt, wenn die Religion fehlt? Wie schwer wöge der Verlust? Wie wäre sie zu erretten, wodurch zu ersetzen, und wäre nicht jeder Ersatz schlechter als das Original?
Solchen Fragen und Beobachtungen gehen die beiden Moderatoren Peter Sloterdijk und Rüdiger Safranski am 28. November im "Philosophischen Quartett" nach und versuchen, im Gespräch mit ihren Gästen, dem Ästhetologen und Gestalttheoretiker Bazon Brock und dem Schriftsteller Martin Mosebach, eine Analyse und klärende Deutung.