Das Philosophische Quartett
Dem Volk aufs Maul geschaut: Wie Populismus die Demokratie gefährdet
ZDF, Sonntag, 19. September 2004, 23:30 Uhr
3sat, 17. Oktober 2004, 10.30 Uhr
Gäste:
Dr. Mathias Döpfner, Medienmanager
Jürgen Flimm, Regisseur
Ein Gespenst geht um in den Demokratien des Westens, das Gespenst des Populismus. In Deutschlands Nachbarstaaten verändern Rechtspopulisten - fremdenfeindliche Demagogen in Belgien, Nationalradikale Volkstribune in Polen beispielsweise - die Machtbalance und beeinflussen die Politik ihres Landes.
In Deutschland dagegen scheinen rechtspopulistische Parteien chancenlos. Dabei fehlt es keineswegs an populistischem Potential. Die Voraussetzungen für das Auftreten volksnaher Verführer - Krisenstimmung, Angst vor der Zukunft, Ablehnung von Veränderung, Wut auf Eliten und Sehnsucht nach einfachen Antworten - sind auch hierzulande vorhanden.
Warum also gibt es keinen deutschen Jörg Heider, keinen deutschen Pim Fortuyn? Wird in Deutschland die Rolle des Rechtspopulismus von der Boulevard-Presse übernommen? Macht die "Bild"-Zeitung, die laut "Zeit" heute das "Sturmgeschütz des Populismus" ist, eine rechts-populistische Partei überflüssig?
Für die beiden Moderatoren des "Philosophischen Quartetts" Peter Sloterdijk und Rüdiger Safranski spiegelt der aktuelle Populismus die chronische Spannung zwischen der repräsentativen und der direkten Demokratie wider. In dem er die vox populi direkt auf die Akteure des Repräsentativsystems einwirken läßt, entwickelt der Populismus Züge einer mediengesteuerten außer-parlamentarischen Opposition. Wir erleben Populismus als Einbruch der Massenkultur in das bislang noch immer hochkulturell geprägte Reservat der professionell betriebenen Politik, der den Akteuren des politischen Systems Verhaltensweisen des Unter-haltungssektors aufnötigt. Der Träger der populistischen Macht - so eine weitere These der Moderatoren - ist eine über alle vormaligen politischen Lager verstreute Antikomplexi-tätspartei, die ihrer Forderung nach Vereinfachung aggressiv Ausdruck verleiht, am Kiosk ebenso wie in den Wahllokalen. Zu den Besonderheiten des deutschen Weges gehört die Tatsache, daß hierzulande der Kioskpopulismus den Wahllokalpopulismus eindämmt. Die Frage ist nur, wie lange noch?
Um dieser Beunruhigung im "Philosophische Quartett" nachzugehen haben Peter Sloterdijk und Rüdiger Safranski am Abend der Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg zwei hochkarätige Gäste in die Autostadt nach Wolfsburg eingeladen: Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer AG und Jürgen Flimm, Theater- und Opernregisseur und künftiger Leiter der Salzburger Festspiele.