Das Philosophische Quartett

Wie frei ist das Gehirn?

ZDF, Sonntag, 28. März 2004, 23:30 Uhr

3sat, 4. April 2004, 10.30 Uhr

Gäste:
Dr. Bodo Kirchhoff, Schriftsteller
Prof. Dr. Dr. Gerhard Roth, Physiologe



Der Hirnforscher Gerhard Roth hat mit seinem Buch "Aus Sicht des Gehirns" eine alte Debatte neu ausgelöst. Seine These: Der Mensch ist nicht frei, sondern ein Vollzugsorgan dessen, was im Gehirn neuronal determiniert ist. Diese Auffassung steht im krassen Widerspruch zu unserem Gefühl, frei entscheiden zu können - ein Fundament unseres Selbstverständnisses, unserer Werte, unserer Gesellschaft. Sollte es tatsächlich erschüttert sein?

Eine spannende Frage, die seit jeher zu den klassischen Themen der Philosophie gehört. Um ihr nachzugehen haben sich die beiden Moderatoren des "Philosophischen Quartetts" Peter Sloterdijk und Rüdiger Safranski zwei Gäste in die Autostadt nach Wolfsburg eingeladen, die vehement ihre gegensätzlichen Positionen verteidigen: Den Physiologen Gerhard Roth, der eine klare deterministische Auffassung vertritt, und den Schriftsteller Bodo Kirchhoff, der keinesfalls auf die Vorstellung verzichten möchte, kreativ frei zu sein.

Peter Sloterdijk und Rüdiger Safranski geben dem gegenüber zu bedenken, dass wir unterscheiden müssen: Einerseits, wie ich mein Gehirn erlebe, andererseits was ein neutraler Beobachter meines Gehirns sehen könnte.

Die deterministische Position ist brisant auch für Fragen der Justiz: Wird dadurch der Schuldbegriff hinfällig? Würde man, wenn man Roths Position ernst nimmt, nicht zu einem überstrengen Strafrecht kommen müssen? Jede Straftat würde zu einer Art Naturkatastrophe.

Es ist ein alter philosophischer Streit. Bereits Kant hat sich mit der Position des Determinismus auseinandergesetzt. Er sagt: Es kann sein, dass der freie Wille eine Illusion ist. Zur Aufrechterhaltung der Menschenwürde müssen wir jedoch so tun, als ob wir frei wären.

Was also ist dran an der Vorstellung, dass wir gar nicht wirklich frei entscheiden können?

Das Philosophische Quartett