Das Philosophische Quartett

Macht Demokratie dumm? - Bildung in Deutschland

ZDF, Sonntag, 15. Februar 2004, 23:30 Uhr

3sat, 22. Februar 2004, 10.30 Uhr

Gäste:
Dr. Hanns-Josef Ortheil, Schriftsteller
Dr. Konrad Schily, Neurologe und Psychiater



Die Diskussion um Elite-Universitäten erhitzt die Gemüter. Alle sind sich darüber einig, dass die Bildung in Deutschland in einem katastrophalen Zustand ist. Es besteht inzwischen sogar ein gewisser Konsens, dass Studiengebühren nötig sind, dass Universitäten unternehmerischer gestaltet werden sollten.
Über die aktuellen politischen Streitigkeiten hinaus stellt sich für "Das Philosophische Quartett" jedoch die grundsätzliche Frage nach dem Hintergrund der Bildungsmisere in Deutschland.

Die beiden Philosophen und Moderatoren Peter Sloterdijk und Rüdiger Safranski haben dazu zwei Gäste in die Autostadt nach Wolfsburg eingeladen, die sich beide mit außergewöhnlichen Ideen und Vorschlägen zur Bildungsproblematik hervorgetan haben: der Psychiater Konrad Schily, Gründer und Ehrenvorsitzender der Privatuniversität Universität Witten / Herdecke, und der Schriftsteller Hanns-Josef Ortheil, der u.a. als Professor für kreatives Schreiben an der Universität Hildesheim lehrt.

Die Hochschulen sind überfüllt, aber offenbar mit Menschen, die nicht wissen, was sie dort suchen sollen. Die Bildungskatastrophe, so Sloterdijk ist das Symptom einer tieferen Motivationskrise in der Gesellschaft. Macht Konsum, Unterhaltungsindustrie und die Formel demokratischer Gleichheit inzwischen so dumm, dass es vielleicht zur Ausbildung, nicht aber mehr zur Bildung reicht, fragt sich Rüdiger Safranski.

Im "Philosophischen Quartett" wird auch über die Argumente diskutiert, mit denen die neue Bildungskatastrophe (Pisa, Verwahrlosung der Hochschulen, gehobener Analphabetismus) politisch behandelt wird. Es scheint vordergründig nur darum zu gehen, die "Deutschland AG" besser "aufzustellen". Tatsächlich geht es aber darum, so die Moderatoren, jungen Menschen zu helfen, ihre Möglichkeiten auszuschöpfen und etwas aus sich zu machen. Es geht nicht allein um zweckgerichtete Ausbildung, sondern um umfassende Bildung, die den Menschen als humaner Selbstzweck zu einem erfüllten Leben verhilft. Wir brauchen beides, Bildung und Ausbildung, so Safranski, und beides ist in der Krise.

Das Philosophische Quartett