Das Philosophische Quartett
Ehrgeiz, Eitelkeit, Korruption - Wettkampf als Lebensform
ZDF, Sonntag, 28. April 2002, 23:30 Uhr
3sat, 5. Mai 2002, 10.30 Uhr
Gäste:
Prof. Dr. Margarita Mathiopoulos, Industriemanagerin und Professorin für Internationale Politik
Dr. Franziska Augstein, Journalistin
In Zeiten schier unendlicher Möglichkeiten und knapper Zeitressourcen befinden sich die Menschen in einem dauerhaften Wettstreit. Nicht das Miteinander bestimmt die Regeln sozialen Verhaltens, sondern das Gegeneinander. Die gegenwärtige Gesellschaft gleicht einer Arena, in der es lediglich um Sieg oder Niederlage, Gewinnen oder Verlieren geht. Der Schlüssel zum Verständnis aktueller sozialer Verhältnisse steckt im Wettkampf. Konflikte zwischen den Geschlechtern und Generationen, die Auseinandersetzungen zwischen Arm und Reich oder zwischen Stark und Schwach lassen sich unter dem agonalen Gesichtspunkt betrachten. In der Spaßgesellschaft wird der Wettkampf als Spiel betrieben, an dessen Ende nicht selten der Ernstfall steht.
Ehrgeiz, Korruption oder Eitelkeit sind Mittel, um im Wettstreit der Gesellschaft zu bestehen. Für Peter Sloterdijk zeigt sich die Eitelkeit bei denen, die den Traum von einer leistungslosen Gratifikation träumen: "Sie gehen als Sieger durch das Ziel, ohne jemals gelaufen zu sein." Die Welt liebt Sieger, aber wie steht es um eine "Kultur des guten Verlierens", fragt Peter Sloterdijk. Was sich in den Einzelgesellschaften abspielt, kehrt weltweit wieder. Die Globalisierung trägt sogar mit dazu bei, dass bestimmte Gruppen als Verlierer aus dem Wettkampf fallen. Was bleibt sind "die Schnellen und die Toten", so Peter Sloterdijk. Eine Auffanggesellschaft für Verlierer gibt es nicht, Verliererabfindungen laufen ins Leere.
Rüdiger Safranski erinnert an einen Satz des Kulturwissenschaftlers Jacob Burckhardt, dass "die griechische Kultur deshalb so erfolgreich war, weil sie eine agonale Kultur war." In einer Gesellschaft überbordender Gewaltpotenziale dient der Wettkampf der Zivilisierung von Gewalt. Gefühle werden ins Spiel abgeführt. Ein Übermaß an Sport und Spaß verhindert aber, sich der Ernsthaftigkeit dessen, worüber gestritten wird, zu stellen.
Peter Sloterdijk und Rüdiger Safranski haben sich die Industriemanagerin und Professorin für Internationale Politik Margarita Mathiopoulos und die Journalistin Franziska Augstein eingeladen. Im philosophischen Gespräch soll erörtert werden, inwiefern bestimmte Formen des Wettkampfes im Geschlechterkonflikt wiederkehren und inwieweit "alte biologische Programme mit tief sitzender Erfolgsorientierung", so Peter Sloterdjik, dabei greifen.