Das Philosophische Quartett

Glaubenssache Amerika - Das Imperium schlägt zurück

ZDF, Sonntag, 24. März 2002, 23:30 Uhr

3sat, 7. April 2002, 10.30 Uhr

Gäste:
Claus Peymann, Theaterregisseur
Prof. Dr. Hans Ulrich Gumbrecht, Literaturwissenschaftler



Der Kampf gegen den Terror, den Amerikaner und Europäer seit dem 11. September gemeinsam aufgenommen hatten, treibt sie nunmehr auseinander. Der Einberufungsbescheid, den die USA den Europäern im Krieg gegen die "Achse des Bösen" ausgestel

Glaubenssache Amerika - Das Imperium schlägt zurückPeter Sloterdijk sagt, dass die USA das "europäische Programm der imperialen Ordnungsaufgabe in der Welt übernommen" hätten. Die Amerikaner treten gleichsam als die Neuen Römer auf, die ebenso wie ihr antikes Vorbild zwischen Isolationismus und Imperialismus schwanken. Im Unterschied zu den Europäern glauben die Amerikaner daran, dass es das Böse gibt, das mit allen Mittel bekämpft werden muss. "Im Kampf mit den Feinden Amerikas ist Gott nicht neutral", verkündete George W. Bush, und er ließ keinen Zweifel daran aufkommen, auf welcher Seite Gott steht. Die USA haben die Auseinandersetzung um die Weltherrschaft zur Glaubenssache gemacht, so der Befund von Peter Sloterdijk. Die GIs, die einst Europa vom Faschismus befreiten, sind heute Gotteskrieger der amerikanischen Theokratie.

Die Europäer können so lange nicht wissen, wer sie sind und was sie wollen, meint Rüdiger Safranski, so lange sie ihr Verhältnis zu Amerika nicht geklärt haben. Durch die Nähe zu den USA kann es sich Europa zwar leisten, die Freiheit zu konsumieren, ohne aber den Preis dafür bezahlen zu müssen. Europa lebt in einer Art Machtgeschützter Innerlichkeit, die sich nicht an den Fronten der Macht beweisen muss. "Während Amerika sich als erwachsene Macht zeigt, leben die Europäer in einer verlängerten Kindheit", so Rüdiger Safranski.

Was aber machen die Europäer, wenn Amerika an seiner eigenen Gigantomanie zugrunde geht? Welche Rolle spielen sie in der neuen weltgeschichtlichen Situation, wie definieren sie ihr Selbstverständnis im Konzert der politischen Mächte? Können die Europäer mit ihren Erfahrungen von Krieg und Terror im 20. Jahrhundert eine Mittlerrolle einnehmen und womöglich den Amerikanern beibringen, wie eine Großmacht mit Niederlagen umgehen muss?

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